Pavillon „Kunst und Genuss“ in Forst 


Es wurde aber auch höchste Zeit! Zu lange hatte ich Gaby und Ingo nicht mehr live erlebt. Ja na klar frisst der Alltag manches Vorhaben auf, und öfter kommt einfach was dazwischen - aber wenn alte Bekannte quasi vor der Haustür spielen, muss man einfach hin. 

Seit einem knappen Jahr gibt es in der Rosenstadt Forst einen kleinen, aber feinen Pavillon, der sich „Kunst und Genuss“ auf die Fahne geschrieben hat. Schritt für Schritt hat sich das Team um die Chefin Diana Podlesch zu einem Geheimtip gemausert. Hier fühlt man sich wohl im kleinen Kreis. Profis installieren momentan Ton und Licht an der Decke ( edles Zeug, kann ich euch sagen! ), so dass es in Zukunft für die Kleinkunst einfach optimal wird.
Gaby und Ingo kenne ich inzwischen über 30 Jahre ( darf ich das eigentlich sagen? ) und habe sie in verschiedenen Auftrittsvarianten erlebt. Doch eines ist immer wieder gleich: mit ihrer ungekünstelten Herzlichkeit, die sich so wohlwollend von den „Klatsch doch mal alle mit“- oder „ Wo sind eure Hände“- Typen unterscheidet, brauchen sie nur wenige Sekunden, um das Publikum auf ihrer Seite zu haben. Das aktuelle Programm „Erinnerungen in Dur und Moll“ ist eine gelungene Kombination von älteren und aktuellen Liedern, gewürzt mit humorvoller oder nachdenklicher Plauderei. Ich finde es gut, dass die beiden diesmal so mutig waren, etliche Hits in der „Lagerfeuer-Variante“ zu bringen, also nur 2 Stimmen und eine Akustikgitarre. Ja - wer hat, der kann! Lieder wie „Einmal hin und zurück“ oder „Lass einen Freund nicht vor der Tür stehn“ habe ich so neu entdeckt. Gänsehaut hatte ich bei „ Nicht mehr siegen“ - danke Ingo, das ist dir sicher nicht leichtgefallen, denn Pete Wyoming Bender ( den ich für einen total unterschätzten Künstler im deutschsprachigen Raum halte ) ist leider nicht mehr unter uns. Gaby verblüffte mich, denn sie sang ein Lied so, als ob das immer schon eines von ihren wäre: „Zeit vergeht, hier war mein Dorf...“ - Ulli Pexa hat es meines Wissens in der aller ersten Zeit von Karat geschrieben - schön, das wiederzuhören. Und es fügte sich nahtlos ein in die Erinnerungen, die überhaupt nicht wehmütig oder wehleidig waren. Da sind zwei Leute, die ihren Weg gegangen sind, die im Hier und Heute stehen.
Wir packten gemeinsam einen imaginären Koffer, weil im echten ja nun doch der Kater wohnt, wir wissen jetzt, was Montageknöpfe sind, lernten Falk den Buchhändler kennen und können die Begeisterung über den Sonnenuntergang auf Rügen durchaus nachvollziehen. Ein vielstimmiger Chor bei „Teil mit mir“ oder Ingos Hit „In der Mokka-Milch-Eis-Bar“, den er damals mit der Thomas-Natschinski-Gruppe sang, und dann wieder atemlose Stille bei einem der für mich schönsten Lieder, die Thomas komponiert hat : „Berührung“ - das sind die Momente, weshalb man in ein live-Konzert geht. Und wenn du denkst, das wars dann - Irrtum. Es ist mitunter schwer, wenn eine Frau einen Titel singt, den im Original ein Mann für sein Repertoire geschrieben hat. Aber wenn Gaby unplugged singt „ Warum hab ich dir nie eine Rose geschenkt“, dann bist du sprachlos.Diese Lied von Gisela Steineckert und Ulli Schwinge ist was Großes, ohne in Kitsch abzudriften - chapeau, Gaby! 
Mit „ Talisman“ oder “Halt dich nah bei mir“ stellt sich aber auch mit Nachdruck die Frage, warum die Medien uns Konsumenten mit der tägliche Einheitsgrütze abspeisen. Unsportliches aus Rosenheim mit krampfhaft originellen Reimen macht uns atemlos, und wer will schon pausenlos die Welt retten... sorry, ich schweife ab. 
Gaby und Ingo erhielten von der Chefin, die nicht nur Floristin, sondern auch eine ausgebildete Sängerin ist , einen Rosenstock. Und da Gaby ihren Pflanzen nicht nur die Fachbezeichnungen billigt, sondern lieber persönliche Namen gibt, wurde der Stock kurzerhand nach der Chefin Diana benannt - passender kann man ein Finale nicht gestalten, oder?
Nach dem Konzert waren Gaby und Ingo umringt von den Gästen, jeder wollte was erzählen ( vielleicht der Stoff, aus dem die nächsten Texte werden ?) oder brachte Reliquien zum Signieren mit.
Gaby erzählte von „Traditionskonzerten“ in Taucha oder Berlin - ich wünsche mir, dass Forst mit aufgenommen wird - ich melde mich schon mal an!
Danke Gaby, Ingo, Diana für diese warmherzigen Minuten! Ich hab meinen Akku wieder aufladen können.


Jens Kurze am 12.05.2014 um 21:32 Uhr

© Gaby Rueckert 2017